28 Februar 2013

Nachtrag Themenwoche Burnout




In diesem Nachtrag möchte ich ein Kommentar aufgreifen und meine Antwort dazu nochmal in einem extra Post posten. Ich finde, dass es das Kommentar verdient hat einen extra Post zu bekommen, da es uns (wenn man das so sagen kann) einen Einblick in die Sicht eines Betroffenen gibt. Liebe/r Anonymer, ich möchte dir für deinen Kommentar und deine Offenheit danken.


Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele und ich weiß genau, was du mit deinem letzte Absatz meinst. Es gäbe soo viel mehr zu sagen und eines führt zum anderen, weil alles miteinander verbunden ist.

Ich finde grundsätzlich das Wort "Burnout" nicht unbedingt geeignet für den Zustand einer "Erschöpfungsdepression", aber es hat sich nunmal so entwickelt und zumindest weiß jeder ungefähr, was damit gemeint ist.

Ich selbst bin seit einigen Monaten wegen Depressionen, die aufgrund meiner Arbeitssituation ausgelöst wurden, krank und in therapeutischer Behandlung. Für mich war der allererste Schritt die absolute Hölle. Man fühlt sich - wie du schon sagst - schwach. Aber auch so alleine. Man hat Angst, dafür verurteilt zu werden; Angst, dass jemand sagt (oder denkt) "Stell dich nicht so an". Im Nachhinein habe ich erfahren, dass es schon anderen Kollegen so ging, die mittlerweile wieder gesund sind, aber sie haben sich wohl auch so gefühlt. Egal, mit wem ich über meine Krankheit gesprochen habe - 90% kennen jemanden, oder sind/waren selbst betroffen. Sei es Job oder Uni – überall gibt es Menschen, die den Anforderungen unserer Gesellschaft erliegen.

"Ich brauche Hilfe!" zu sagen ist nicht so einfach, wie das für einen Nichtbetroffenen klingt. Da gehen Dinge im Kopf ab, die sich jenseits einer rationalen Realität bewegen.

Es wäre einfacher, wenn in Firmen und allgemein mehr darüber gesprochen würde. Wenn jeder Mensch wüsste, dass es okay ist, etwas eben nicht zu schaffen. Wir sind alle unterschiedlich und was der eine leisten kann, kann dem anderen schon viel zu viel sein. Aber in unserer Leistungsgesellschaft ist es gar nicht gewünscht, solchen Erkrankungen einen Status zu geben, wie z. B. einem Beinbruch. Dann müsste man ja anerkennen, dass Leistung und Kapital nicht immer die besten Maßstäbe sind.

Ich kann nur jedem raten, der sich irgendwie angesprochen fühlt: Holt euch Hilfe. Versucht, allen Mut den ihr habt, zu bündeln, geht zum (Haus-)Arzt eures Vertrauens und sagt „Ich brauche Hilfe!“. Danach werdet ihr euch so viel besser fühlen und könnt endlich gesund werden!

Es ist ein weiter Weg, aber wenn der erste Schritt getan ist, fällt der zweite schon viel leichter.

PS: Danke für die Möglichkeit, anonym zu kommentieren. Ich schäme micht nicht (mehr) für das, was mit mir passiert, aber so öffentlich mit Bild muss ich es auch nicht rausposaunen.
Ja, bestimmt hast du Recht. Burnout ist ein eher schlechtes Wort dafür, weil es für viele auch schon wieder zu einer "Modekrankheit" zählt. Eine Diagnose mit der, so wie es scheint, gerade nur so um sich geschmissen wird. Natürlich ist man da als Außenstehender irgendwann nicht mehr so ganz sicher, ob man das Ganze noch ernst nehmen kann. Das ist meiner Meinung nach auch manchmal Fehler der Ärzte. Es wird nicht jeder genau auf Herz und Nieren geprüft und es fällt leicht, jedem Zweiten einfach das Wort "Burnout" an den Kopf zu werfen. Manchmal glaube ich auch, dass man sich was solche Diagnosen angeht nicht zu sehr auf die Ärzte, sondern auch mehr auf das eigene Gefühl verlassen sollte. Es gibt mit Sicherheit welche deren Gedanken dann in eine "Oh mein Gott, ich bin krank, Burnout, was mach' ich jetzt"-Richtung gehen - also, wie soll ich sagen, dass die Sorgen durch eine solche Diagnose nur verstärkt werden. Der, meiner Meinung nach, richtige Gedankengang wäre eher - Okay, da ist ein Problem, aber es gibt eine Lösung. Ich geh' es an, ich schaff das schon. Alles wird wieder gut. 

Bestimmt fühlt man sich in dem Moment in dem man sich Hilfe sucht auch schwach, weil man vorher alles allein schaffen wollte. Man wollte alles schaffen, zu 100% alles richtig machen und das eben auch alles allein, man hatte dann das Gefühl man sei stark. Und jetzt soll man sich Hilfe holen? Es nicht mehr allein schaffen? Zugeben, dass man es nicht mehr allein schafft? Natürlich fällt das schwer. Aber ich glaube ich habe, nach meinen Erfahrungen, das Recht hier zu sagen: stark ist, wer bereit ist sich Hilfe zu holen. Wie du schon sagst, es ist nicht leicht, aber wer es trotzdem schafft - der ist stark. Stark genug, um sich gegen die Krankheit zu wehren. Stark genug, um das zu tun was sich andere vielleicht nicht trauen - sich hilfe zu holen. Man kann das alles aus so vielen verschiedenen Blickwinkeln sehen. 
Die Leute die sagen "Stell dich nicht so an" gibt es. Davon gibt es genug. Aber denen sollte man keine Beachtung schenken. Wenn man selbst der Meinung ist, dass man sich nicht "so anstellt", dann ist das auch so. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann Schluss ist. Kein anderer hat das Recht zu entscheiden, was für einen selbst zu viel ist und was nicht, jeder ist anders. 

Leider ist es bei fast allen psychischen Krankheiten (Burnout, Depression, Borderline, Persönlichkeitsstörungen ect) so, dass sie nicht richtig wahrgenommen werden, weil sie nicht sichtbar sind. Wie du schon sagst, der Beinbruch ist ein gutes Beispiel dafür. Was der Mensch nicht sieht, existiert nicht, so einfach ist das. 

Der Weg zur Gesundheit ist kein leichter und es geht auch nicht von heute auf morgen, aber wir alle wissen, dass sich dieser Weg lohnen wird. Nichts ist heute so wichtig wie Gesundheit. Burnout ist der Gipfel des Eisbergs, es entsteht durch viele kleine Dinge, die sich immer mehr stapeln bis das Fass überläuft. Burnout entsteht auch nicht von heute auf morgen. Wer sich hilfe sucht, darf also nicht zu ungeduldig sein. Es braucht seine Zeit bis alles wieder in Ordnung ist, aber es lohnt sich.

Auch wenn ihr selbst nicht betroffen seid, möchte ich euch hier sagen: Wenn ihr merkt, dass mit jemandem etwas nicht stimmt und/oder er sich selbst nicht traut nach Hilfe zu fragen - schaut nicht nur zu, tut etwas! Jeder weiß, dass selbst ein einfaches Gespräch schon sehr viel helfen kann, wenn man einfach mal alles los wird und sich alles von der Seele reden kann und vielleicht könnt ihr auch den entscheidenden Anstoß geben, damit sich der andere Hilfe holt. 

:) :( :-/ :-* :-O X( :7 :-c ~X(

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